Ballonfahrt über Bagan mit Oriental Ballooning 02.01.17

Ich wache gegen 3 Uhr mit leichter Übelkeit auf. Mein Magen lässt mich immer noch nicht schlafen und ich bleibe bis 4:50 Uhr wach, dann klingelt der Wecker. Überpünktlich um 5:17 Uhr setzen wir uns in die Hotellobby. Mirko sieht mich besorgt an, ob es wohl gehen wird? Ja, geht gerade und muss die nächsten Stunden einfach irgendwie.

5:20 Uhr setzt sich eine Frau auf das Sofa gegenüber und fragt uns 5 min später ob wir auch mit Oriental Ballooning fliegen. Ja, das tun wir. Wir lernen uns im Laufe des Morgens etwas besser kennen. Zufällig landen wir später auch im selben Ballon. Sie kommt aus Australien und wohnt in Shanghai, China. Dort arbeitet sie als Englischlehrerin.

5:50 Uhr fährt ein Minibus vor und wir dürfen einsteigen. Wir fahren ein paar hundert Meter, biegen zwei mal ab und dann geht es über einen Feldweg und durch Gestrüpp bis wir halten. Mit Taschenlampen werden wir begrüßt und uns wird beim Aussteigen geleuchtet. Eine bizarre Kulisse entspannt sich vor uns. Man kann nicht weit sehen, weil es dunkel ist, aber direkt vor uns sind auf einem Feld lauter Tische mit Stühlen aufgebaut. Es sind schon ca. 75% belegt und wir werden gebeten uns zu setzen. Uns wird Kaffe, Tee und Gebäck angeboten. Die Szene wirkt etwas surreal, da im Hintergrund ständig Feuerfontänen in den Himmel steigen. Ich versuche es zu fotografieren, aber leider ist es zu dunkel dafür. Wann sitzt man schon mal früh um 6 Uhr im Dunkeln auf einem Feld mit lauter fremden Leuten und hat Frühstück. Ich möchte nichts Essen oder Trinken, mein Magen fühlt sich nicht gut an. Ich möchte hier nicht sitzen, sondern sofort losfliegen, irgendwas machen, die Spannung steigt unendlich an. Als Mirko auf die Toilette gehen möchte, kommt er sofort wieder. „Die Toiletten sind für 5 min geschlossen“, was immer das bedeuten soll.

Einen Augenblick später stellen sich die Piloten vor. Es sind ausschließlich Ausländer, jeder spricht gutes Englisch. Jeder von ihnen hat eine Namensliste, die laut vorgelesen wird. „here“ rufe ich als ich meinen Namen höre, Mirko tut mir gleich. Wir fliegen heute mit Rick. Uns wird erklärt das wir nun zu unseren Piloten gehen sollen, die uns zu den Balloons führen werden, um uns die Sicherheitsanweisungen zu erklären. Wir folgen ihm und müssen ein mal quer über das Feld laufen. Hier liegen überall riesige Ballons, links von uns sind noch drei Ballons von einer anderen Firma und in etwas weiterer Entfernung ist noch mal ein ganzes Feld voll von ihnen.

Rick kommt aus Australien, fliegt seit 18 Jahren. Er erklärt uns wo und wie wir einsteigen und aussteigen müssen. Was wir bei Start und Landung tun sollen. Nachdem er fertig mit seinen Ausführungen ist, meint er dürfen wir auf Toilette gehen. Da sie jetzt anfangen die Ballonhüllen aufzublasen, verkneife ich mir den Toilettengang.

Ich hatte keine Vorstellung wie groß so ein Ballon ist. Rings um uns herum wachsen langsam die typischen Formen heran. Zuerst werden sie mit Ventilatoren aufgeblasen und als sie groß genug sind wirft Rick die Brenner an. Ich spüre die Hitze und empfinde sie an dem kühlen Morgen als angenehm. Es sind mehr als ich zählen kann, wie die Pilze wachsen nun die Ballons um uns in die Höhe. Wir dürfen einsteigen.

Es dauert eine ganze Weile bis wir abheben dürfen. Ich filme alles mit und als es endlich los geht, müssen wir sitzen, aber die Kamera schaut weiter nach draußen. Wir schweben sanft nach oben und dürfen nun wieder aufstehen. Das Gefühl ist unbeschreiblich, gar nicht wie mit Passagierflugzeugen fliegen. Bis auf die Brennergeräusche ist alles friedlich und still und wir gleiten langsam durch die Luft. Es hat etwas anmutiges an sich, über den Bäumen und Sträuchen zu fliegen. Nach ein paar Minuten geht auch die Sonne auf, perfektes Timing. Mirko und ich fotografieren und filmen was wir können, die Momente möchten wir nicht vergessen. Wir sehen die ersten Stupas und Tempel und der Ballon fängt sich an zu drehen, zu unserem Glück. Nun haben wir freien Blick auf die vielen Pagoden, Tempel, Stupas und wie immer sie alle heißen mögen. Traumhaft, jeden Cent wert, den wir dafür bezahlt haben. Ich bin weiß nicht wohin ich zuerst schauen soll, schon der Anblick der vielen Ballons in der Luft ist irgendwie schön. Teilweise fallen mir nicht die richtigen Worte ein es zu beschreiben. Ich bin wirklich hier und fliege wirklich über Bagan, bitte Gehirn vergiss das niemals. Während ich schreibe bin ich immer noch in Gedanken versunken und spiele Momente wieder und wieder ab. Das Lächeln kommt kurze Zeit nach dem Start und bleibt auch lange Zeit erhalten.

Wir fliegen fast 90 min, bevor wir landen. Während wir über ein Dorf fliegen, rufen uns die Kinder „Happy New Year“ zu, wie süß. Rick meint die Dörfer leben noch wie vor 1.000 Jahren, nur das sie jetzt Strom haben, den allerdings erst letztes Jahr bekommen haben. Kurz vor der Landung werden wir von einem anderen Ballon touchiert. Das Spiel geht ganze 10 min, bevor wir endlich etwas voneinander getrennt sind. Wir müssen uns hinsitzen und dann geht es ganz schnell. Zwei kurze Aufsetzer und wir sind auf dem Boden. Hätte ich fast schlimmer erwartet. Hier sind überall schon Helfer, die den Ballon am Boden halten. Es dauert weitere 10 min bis wir den Korb verlassen dürfen. Rick zeigt uns nun auch wofür die rote Leine da ist, die sollten wir während des Fluges nicht ziehen. Es öffnet sich der komplette obere Bereich und die heiße Luft kann entweichen.

Wir steigen durch Gras und kleine Sträucher zu einer Stelle, an der wieder Stühle und ein paar Tische stehen. Nun gibt es zuerst Orangensaft, dann erzählt einer der Piloten eine Geschichte, wieso es nun Champagner gibt, und die lautete so:

Der erste Ballonflug soll in Frankreich statt gefunden haben und zwar im Auftrag des Königs. Bei der Landung wurde der Pilot aus dem Korb geschleudert und der Ballon ist stiften gegangen. Die Einheimischen hielten den Ballon für einen Eindringling und jagten ihn mit Mistgabeln und versuchten ihn zu töten. Als der Pilot dem Ballon hinterher eilte und sie davon abhalten wollte, hielten sie ihn für einen Außerirdischen und wollten auch ihn töten. Nun wollte er keine Flüge mehr machen, dass wäre viel zu gefährlich, besonders wenn einen die Einheimischen jedes mal angreiffen werden. Der König hatte einen Vorschlag, er gab dem Piloten Champagner mit dem königlichen Siegel darauf. Zu dieser Zeit durfte nur der König Alkohol vergeben und er meinte, wenn die Leute das sehen dann wissen sie, dass du vom König gesandt wurdest.

An der Tradition würden sie bis heute festhalten und nun gab es Champagner für alle. Ich lehnte wegen meines Magens ab, aber stieß mit einem Glas trotzdem mit allen an. Nun setzten sich die Piloten und schrieben per Hand unsere Zertifikate. Aus der Erklärung des Piloten konnte ich heraus hören, dass der Flug wichtig wäre, sollte man selber fliegen wollen. Mittlerweile ist die Bodencrew fertig mit einpacken der Ballons und fährt an uns vorüber und alle winken uns. Wir dürfen nun auch in die wartenden Minibusse einsteigen. Rick und die anderen Piloten verabschieden sich. Ich bedanke mich noch mal für das wundervolle Erlebnis.

Als wir zurück zum Hotel fahren, sehen wir die Busse der Konkurrenz. Die gibt es hier schon viel länger, aber die Busse sehen schäbig aus. Ich bin wirklich froh mit Oriental Ballooning geflogen zu sein. Wir unterhalten uns noch kurz mit unserer neuen Freundin, sie meint unter anderem, dass alle bei uns im Ballon Australier waren, wir sind die einzigen Europäer. Kurz vor 9 Uhr sind wir wieder im Hotel. Der Höhepunkt der Reise ist hinter uns, jetzt können wir erst mal ausspannen.

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