Der Inle See – eine Bootstour 30.12.16

Der Wecker klingelt 8:00 Uhr, ich bin aber schon seit 7:36 Uhr wach, irgendwie geht es mir im Bauch herum. Nachdem wir geduscht und angezogen sind, geht es mir ein wenig besser. Wir packen alles für den heutigen Tag zusammen und laufen zur Ticketverkäuferin. Dort sitzt ein Einheimischer auf der Bank und ruft sie aus einem Hinterzimmer heran. Sie stellt ihn uns als unseren Bootsführer für heute vor. Wir sollen ihm folgen, was wir tun. In seinen Sandalen läuft er recht schnell durch die Stadt, vorbei an den vielen Menschen die gerade auf der Straße unterwegs sind. Wir biegen in eine kleine Nebenstraße ein und laufen über eine kleine Brücke. Darunter ist ein kleiner Kanal, welcher voll mit Booten ist. Ich hole die Kamera heraus, aber wir sind für ein Foto schon zu weit gelaufen. Wir laufen entlang des Ufers zur Flußmündung. Hier liegt unser Boot angetäut, wir dürfen Platz nehmen. Zwei große Holzstühle mit dicken Polsterkissen, werden unsere heutigen Begleiter sein.

Unser Steuerman stößt das Boot kurz ab und sobald wir auf dem Fluß sind startet er den Motor. Wir düsen über den Fluß Richtung See und sehen die gleichen Häuser vom Vortrag aus einer anderen Perspektive. Mit uns starten viele andere Boote ihre Reise. Ich filme immer wieder und wir fotografieren was wir sehen. Es ist recht frisch und ich ziehe mir eine Jacke über. Als wir den See erreichen, warten da schon Fischer die für Fotos posieren. Ich hoffe das nicht das ganze Tagesprogramm „gestellt“ ist. Wir fahren nun auf den offenen See und das Wetter ist einfach perfekt. Schönster Sonnenschein, blauer Himmel und kein Wind. Leider hängen über den Bergen ein paar Wolken und es ist diesig, die Fotos gelingen nicht. Wir fahren nun 90min bis zum südlichen Ende des Sees. Hier biegt unser Boot von der Hauptverkehrsader ab und fährt in eine Wohnsiedlung. Überall stehen Häuser als Holz und Bambus auf Pfählen im Wasser. Ich sehe Schweine die auf Bambusstangen liegen und da drüben läuft eine Katze über das Dach. Ansonsten sehen wir die Einheimischen bei ihrer täglichen Arbeit. Das ist authentisch, hier leben die Menschen wirklich so. Den Grund kann man sehen, es ist nicht sehr tief. Beindruckend fand ich zwei vielleicht 3-4 Jahre alte Kinder, die auf einem kleinen Boot alleine auf dem Wasser unterwegs waren.

Wir fahren weiter und halten kurze Zeit später bei Silber und Goldhandwerkern. Uns wird erklärt, wo das Erz gewonnen wird und wie sie das Silber aus dem Erz vom Kupfer und den anderen Bestandteilen lösen. Direkt vor uns schmilzt jemand Silber ein und gießt es in Form. Nach kurzem Abkühlen in Wasser wird der Rohling herum gegeben. Ständig legen neue Boote ab und an und bringen weitere Gäste, wir sind also nicht die Einzigen. Direkt im Anschluß wird der Rohling auf einem Amboss mit dem Hammer bearbeitet. Wir werden zu den nächsten Werkbänken geführt. Hier ist alles schon viel filigraner. Uns werden verschiedene Schmuckstücke gezeigt und wir können dabei zuschauen, wie sie gefertigt werden. Wirklich verblüffend fand ich Fische aus Silber, die aus beweglichen Teilen gefertigt waren, deren Schwänze konnte man wie bei echten Fischen bewegen. Uns wird erklärt das alles hier echtes Silber ist und auf den Märkten meist nur Fälschungen aus anderen Materialen angeboten werden. Als nächstes werden wir zu den Verkaufstresen geführt. Für die gute Vorstellung möchte ich Ihnen auch etwas abkaufen. Die meisten Sachen sind viel zu teuer und ich frage nach Ohrringen. Die gibt es nur in drei Motiven und ich entscheide mich für welches zum Stecken. Sie sollen $22 kosten, nach ein wenig verhandeln bekomme ich sie für 25.000 Kyats. Meine letzten Silberschmuck-Ohringe in Deutschland kosteten mich 20 Euro, von daher wollte ich nicht mehr ausgeben. Ich hoffe das die wirklich echt sind.

Wir fahren weiter zum Markt, dieser ist am Rande auf festem Land. Hier gibt es fast alles zu kaufen. Wir essen zu Mittag und sehen uns danach weiter um. Ich hole mir drei weitere Longyis für je 5.000 Kyats das Stück. Weiter kaufen wir Süßigkeiten (Schokolade, sagten die Verkäufer aber es ist keine) ca. 10 Tafeln für 200 Kyats pro Stück, 5 Becher Sonnenblumenkerne für 300 Kyats pro Becher, 1 Becher Kürbiskerne für 800 Kyats und 2 Becher Erdnüsse für 500 Kyats pro Becher. Es ist nun schon später und auf dem Steg wo wir gelandet sind, packen die Verkäufer schon zusammen. Unser Boot und Steuerman warten einsam am Ende auf uns. Wir fahren weiter.

Unserer nächster Stop ist bei Zigarendreherinnen. Uns werden die Zutaten gezeigt und alle Schritte genau erklärt. Wir bekommen auch alles zum Anfassen und riechen in die Hände. Das Angebot die Zigaretten zu probieren, lehnen wir dankend ab. Mir geht es ziemlich plötzlich böse im Bauch herum und ich muss mich an die Seite setzen. Halb an einen der Stützmasten gelehnt vergehen so vielleicht 10min, bevor es mir langsam wieder besser geht. Ich drinke mehrere Liter Wasser und ich fühle mich wieder fit genug für die Weiterreise. Bevor wir aufbrechen, kauft Mirko noch zwei Packungen Zigaretten für 5.000 Kyats pro Packung (Inhalt 20 Stück).

Wir halten nun bei der Hpaung Daw U Pagode, hier sind sehr viele Boote und Menschen. Nachdem wir die vielen Stände begutachtet haben und 4l Wasser gekauft haben, gehen wir ins Innere. Hier stehen fünf Abbilde von Buddah, die allerdings so dick mit Gold beklebt wurden, dass man von der ursprünglichen Form nichts mehr sehen kann. Die Goldblätter dürfen nur von Männern angebracht werden, Frauen müssen auf Abstand bleiben. Ich schicke Mirko mit der GoPro hin, um die emsigen Pilger beim Anbringen zu filmen. Nachdem wir genügend Fotos und Filme gemacht haben, verlassen wir die Pagode, um eine Toilette zu suchen. Wir finden die Toilette aber ich laufe zurück, um meine Schuhe zu holen. Scheinbar ist der Abfluss verstopft oder niemand spült mit Wasser, der Boden und die Toiletten sind nicht sehr sauber. Mit festen Schuhwerk wage ich mich hinein. Bevor wir unsere Fahrt fortsetzen, kaufe ich für 10.000 Kyats an einem Stand noch ein typisches Oberteil, was die Einheimischen tragen. Wie es heißt weiß ich nicht und ob ich es wirklich anziehe weiß ich noch nicht, in Ermangelung eines Spiegels entschließe ich mich auf Grundlage von Mirkos Aussage es sieht schick aus zum Kauf.

Der nächste Halt bringt uns zu den Webern. Hier sehen wir wie aus Lotuspflanzen, Lotusgarn entsteht. Es wird wieder viel erklärt, ich frage wie lange es gedauert hat die Spulle vor uns zu füllen und bekomme als Antwort 10 Tage. Es stehen hier überall altertümlich anmutende Geräte herum. Wir werden zu den Webstühlen geführt, an der Hälfte arbeiten tatsächlich Frauen und weben wirklich verschiedenste Muster und Stoffe zu Schalen, Longyis und ähnlichen Produkten. Uns wird erklärt das Lotus am teuersten ist, ein mehrfaches von Seide. Sie mischen teilweise Seide, Baumwolle und Lotus miteinander, um die Materialeigenschaften der Produkte zu verändern. Es fühlt sich auch wirklich anders an, ob man Lotus mit Seide oder Baumwolle und Seide verwebt. Anschließend werden die fertig gewebten Sachen gefärbt, heute allerdings nicht, es wird nur an bestimmten Tagen gefärbt. Wir dürfen uns im Laden umschauen. Hier gibt es gefühlt 10 Millionen Muster und Farben. Der seidene Schal soll 20 Dollar kosten, aber dafür habe ich nicht wirklich Verwendung und ich möchte nichts kaufen, was ich nicht brauche. Am Ende kaufe ich mir für 8.000 Kyats einen Haargummi aus Seide, den werde ich ganz bestimmt benutzen.

Wir fahren weiter zum Kloster, aber ich gebe unserem Steuermann zu verstehen, dass wir die schwimmenden Gärten näher betrachten möchten. Er macht einen kurzen Abstecher und fährt uns direkt hinein. Ich kann die Gärten nun aus nächster Nähe betrachten und auch anfassen. Das ist doch normaler Boden hier, ist das nur aufgeschüttet frage ich mich. Ich halte etwas Erde in meiner Hand hoch und er zeigt mir mit einem Stab das darunter wirklich nur Wasser ist. Scheinbar sind die schwimmenden Teile der Konstruktion knapp unter der Wasseroberfläche. Für eine Aufnahme unter Wasser ist es hier zu dreckig. Ich hätte gern das ganze von unten noch gesehen. Nun machen wir noch ein paar Fotos und ich darf mir die Tomaten von der Pflanze pflücken. Wirklich lecker so eine Tomate im Dezember, die auf dem offenen Wasser gewachsen ist.

Beim Kloster kommen wir gar nicht erst zu Buddah und den Mönchen. Die Verkäuferinnen umschwärmen uns und ich bin immer noch auf der Suche nach neuen T-Shirts bzw schönen Tops für mich. Das scheinen sie zu riechen und wir werden sie ewig nicht los. Mirko kauft sich ein weiteres T-Shirt für 6.000 Kyats und ich eine weiße Bluse für 9.000 Kyats. Nun rennen wir fast an den weiteren Verkäufern vorbei, um nicht wieder angehalten zu werden. Hier sind viele Mönche und viele verzierte Schreine mit Buddahfiguren. Wir machen Fotos und gehen nach ein paar Minuten zurück zum Boot.

Unser letzter Stopp ist bei den Longneck-Frauen. Wir halten wieder an einem kurzen kleinen Steg und steigen aus. Wir werden in ein Haus geführt, wo der typische Touristennippes herumliegt. Ich sehe einen Behälter für Reis, der soll 85 Dollar kosten. Ich möchte nicht, aber die Verkäufern gibt nicht auf „Discount“ „Say Price“ … ich sage das ich nicht mehr als 10 oder 20 Dollar ausgeben möchte. Sie meint sie hat keinen Gewinn und das wäre viel zu billig. Ich gebe zu verstehen, dass ich das nachvollziehen kann und das es einfach ein viel zu teuerer Gegenstand ist. Ich sehe etwas und frage was das ist. Sie klappt es auf und erklärt das dies ein Buddahkalender ist. Kostet auch nur 60 Dollar, der winzig kleine soll nur 20 Dollar kosten. Das ist uns alles zu teuer und wir lehnen dankend ab. Sie lässt nicht locker und wir sagen einfach immer nur danke und lächeln dabei. Irgendwann gibt sie auf und wir gehen in die letzte Ecke und da sitzen doch tatsächlich drei Frauen mit den typischen Longneck Ringen um den Hals und weben jeweils an einem Schal. Die Verkäuferin meint wir sollten einen kaufen, ich sage das ich schon einen besitze. Woher wir den haben, ich antworte aus Thailand. Das hier wären andere und … ich höre nicht mehr zu, sondern sehe den Frauen bei der Arbeit zu. Nach ein paar Minuten legen wir ihnen 500 Kyats in den Spendentopf, dass kommt uns sinnvoller vor, als die überteuerten Produkte zu kaufen. Wir dürfen mit ihnen noch Fotos machen, aber mittlerweile sind so viele andere Gäste da, dass wir uns entschließen zu gehen.

Unser nächstes Ziel ist der Ausgangspunkt, allerdings ist unser Steuermann so nett und hält bei den Fischern unterwegs immer an, damit wir Bilder machen können. Mit vielen Bildern, 2h Filmaufnahmen und einem tollen Tag mit vielen Eindrücken kommen wir wieder am Beginn unserer heutigen Reise an. Die Sonne ist gerade am untergehen, wir schlendern zurück in unsere Unterkunft. Ein gelungener Ausflug, wirklich schöner Tag.

 

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